Montag, 4. Dezember 2017

[Kurzrezension] Talon - Drachenblut von Julie Kagawa

Titel: Drachenblut
Reihe: Talon
Band: 4
Autor: Julie Kagawa
Genre: Romantasy
Erscheinungsdatum: 25.09.2017
Seiten: 512
Verlag: Heyne fliegt
Format: Hardcover
ISBN-13: 978-3-453-26974-3
Originalpreis: 16,99€

Kurzbeschreibung: 
Auf alles war das unerschrockene Drachenmädchen Ember vorbereitet - aber nicht auf den Schmerz, den sie empfindet, als der Sankt-Georgs-Ritter Garret leblos in ihren Armen niedersinkt, vom Schwert des Gegners schwer verwundet. 

Ohne zu wissen, ob Garret jemals wieder die Augen aufschlagen wird, muss Ember in den nächsten Kampf ziehen. Denn die mächtige Organisation Talon rüstet sich zum endgültigen großen Schlag gegen die Ritter und die aufständischen Drachen. Ganz vorne mit dabei: Dante, Embers Zwillingsbruder. Gemeinsam mit dem rebellischen Drachen Riley, der weiter um ihr Herz kämpft, dringt Ember in Dantes Versteck vor. Was die beiden nicht ahnen: Dante erwartet sie bereits. Und in seinen finsteren Plänen spielt Ember eine der Hauptrollen. Sollte sie sich widersetzen, ist ihr Leben nichts mehr wert ... 

Meinung: 
Der vierte Band der Reihe war gleichzeitig schlechter und besser als der letzte. Die Story spitzt sich langsam zu und das ist auch gut so. Leider hat Kagawa das aber diesmal nicht gut rüberbringen können. Ständig beschreibt sie Gedanken der Charaktere, die diese direkt danach genauso ausführen, wodurch man ständige unnötige Wiederholungen auf wenigen Absätzen hat. Wenn das nur einmal vorgekommen wäre, hätte man damit leben können, aber in dem Umfang hat es irgendwann nur genervt und irritiert. Damit hätte man sich vermutlich sogar ein paar Seiten sparen können. So viel also zum Schreibstil in Band 4. Aber inhaltlich hat man dafür einiges geboten bekommen. In alter Manier gibt es wieder viele actionreiche und auch erschütternde Szenen und gerade das Ende ist dabei sehr spannend. Persönlich fand ich diesmal auch wieder Dantes Szenen interessant. Ember, Garett und Riley haben diesmal etwas rumgedruckst – gerade in Bezug aufeinander, aber es hielt sich noch in erträglichem Rahmen. Schön war, dass auch wieder Jade dabei war. Besonders interessant war, dass man endlich tiefere Einblicke in Embers und Dantes Vergangenheit, sowie die Beweggründe des großen Wyrms bekommt. Auch der wieder auftretende Konflikt mit den Georgskriegern war spannend. Tatsächlich hat in diesem Band Garett fast eine bessere Figur gemacht als Riley, der zwar durchaus wieder wichtige Rolle übernimmt, aber dabei besonders gegen Ende die Kontrolle verliert. Das Ende an und für sich war nicht sonderlich spektakulär, lässt aber auf einen brisanten Abschluss der Reihe hoffen.

Fazit: 
„Talon - Drachenblut“ hat wieder viel zu bieten, wenn man sich mit dem Schreibstil in diesem Band arrangieren kann. Besonders die Haupthandlung macht hier große Fortschritte.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 3/5
Schreibstil: 3/5

Gesamt:

Montag, 13. November 2017

[Rezension] Weltenspalter von Steven Harper

Titel: Weltenspalter
Autor: Steven Harper
Genre: Heroische Fantasy
Erscheinungsdatum: 21.08.2017
Seiten: 480
Verlag: Blanvalet
Format: Taschenbuch
ISBN-13: 978-3-7341-6100-1
Originalpreis: 9,99€

Klappentext: 
Da Trollblut in Danrs Adern fließt, ist er stets Außenseiter gewesen, und so ist die Verbannung wegen seiner Abstammung keine allzu harte Strafe für ihn. Besonders nicht, da Aisa – die Frau, die er liebt – ihn in die Heimat seines Trollvaters begleitet. In dem Reich unter den Eisenbergen angekommen, stoßen die beiden auf eine ungeheuerliche Verschwörung: Die Unterirdischen haben die Göttin des Todes eingekerkert, um Kraft aus den Seelen der Verstorbenen zu ziehen. Nur die magische Axt Weltenspalter kann sie befreien. Danr und Aisa brechen auf, um das Artefakt zu finden. Doch Weltenspalter vermag die Welt nicht nur zu retten. Diese Waffe kann sie auch vernichten … 

Meinung: 
Mittlerweile werden Bücher, in denen Orks oder Trolle nicht die Bösen sind, immer beliebter. Es gab da schon diverse Vorreiter, aber dieses Buch räumt mit den Vorurteilen noch einmal ordentlich auf und vermischt Gut und Böse. Was einem in diesem Buch erwartet, wird durch die Kurzbeschreibung zunächst noch gar nicht richtig klar, die leider etwas arg vage gehalten ist. Aber der Autor spielt hier sehr schön mit den klassischen Völkern der Fantasy.

Denn mit Danr stellt Harper uns einen Charakter vor, der sowohl Mensch als auch Troll ist – und damit zwischen Stanen und Sippen steht. Zunächst lernen wir den Protagonisten und seine Ausgangssituation langsam kennen. Es dauert über hundert Seiten bis die Geschichte endlich ins Rollen kommt. Bis dato wirkt alles ein wenig überladen und man kann die ganzen Informationen nicht richtig zusammensetzen. Danach nimmt der Roman aber an Fahrt auf und der Spannungsbogen steigt – und man hat nunmehr das Gefühl, durch die Ereignisse durch zu hetzen, bis auf wenige Augenblicke. Trotz des wechselnden Tempos, schafft Harper es aber, den Leser durchaus auch zu schocken. Für meinen Geschmack ging alles trotzdem etwas zu chaotisch zu und gegen Ende hin wurde es recht klischeehaft und war auch frühzeitig vorhersehbar. Interessant fand ich allerdings, dass es hier zwei wichtige Handlungsstränge gibt, die Danr und seine Gefährten verfolgen müssen – wobei sie sich entscheiden müssen, welchem sie folgen wollen.

Danr ist gleichzeitig eine naheliegende, aber auch schwierige Identifikationsfigur. Ich konnte ihn ehrlich gesagt nicht recht leiden, auch wenn das Buch ohne seine Eigenarten nicht funktioniert hätte. Er jammert viel, zweifelt pausenlos an sich und hält auch nicht wirklich viel von sich. Das erzeugt natürlich sofort das nötige Bild, das dem Roman zugrunde liegt: Er scheint einfach nirgendwo hinzugehören. Wenn man davon absieht, dass sein Name auch so ziemlich der einzige ist, den man nur mit Mühe aussprechen kann, hat er mir das Lesen doch verleidet. Auch mit Aisa, der zweiten Perspektivträgerin, wurde ich nicht warm. Dafür fand ich aber beide Charakterentwicklungen im Laufe der Geschichte sehr gut ausgearbeitet, auch wenn sie die eigentliche Handlung manchmal zu stark in den Hintergrund gedrängt haben. Aber deshalb ist es auch nicht High Fantasy, sondern Heroische Fantasy.

Harpers Schreibstil ist sehr schlicht und gleichzeitig mit vielen eigenen Begriffen angereichert. Er bedient sich hier stark mythologischer Vorlagen. So gibt es zum Beispiel „Die Drei“, die den griechischen Moiren und germanischen Nornen nachempfunden sind. Ebenfalls gibt es eine eigene Götterwelt, durch die auch die Redewendungen bestimmt werden. Diese Elemente sind im ersten Moment etwas erschlagend, auf lange Sicht aber eine schöne Ausgestaltung, um der Geschichte mehr Leben einzuhauchen.

Wirklich begeistert bin ich vom dem Roman im Nachhinein nicht. Für meinen Geschmack wirkt er viel zu konstruiert. Man kann vieles vorhersehen und dadurch, dass mich die Charaktere nicht gereizt haben, auch wenn sie eigentlich gut ausgearbeitet sind, gab es keinen richtigen Anknüpfpunkt für mich. Dass Gut und Böse hier auf den Kopf gestellt und durcheinandergewirbelt werden, fand ich wiederum gut, auch wenn es am Ende dann doch ein bisschen Schwarz und Weiß wurde. Dennoch feiere ich Harper für ein ganz besonderes Schockelement, das er in den Roman eingebaut hat und mit einem wichtigen Nebencharakter zu tun hat.

Fazit: 
„Weltenspalter“ lädt in eine mythisch geprägte Welt ein, die verschiedene Fantasyvölker auf neue Art präsentiert. Die Charaktere haben dabei alle ihr Päckchen zu tragen und dies dominiert auch den Roman. Trotzdem gibt es auch eine Quest zu erfüllen. Insgesamt ist es ein solider Fantasyroman.

Inhalt: 3/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 3/5
Schreibstil: 4/5

Gesamt:

Montag, 16. Oktober 2017

[Rezension] Die Welt, wie wir sie kannten von Susan Beth Pfeffer

Titel: Die Welt, wie wir sie kannten
Autor: Susan Beth Pfeffer
Sprecher: Stefanie Stappenbeck
Genre: Jugendbuch, Dystopie
Erscheinungsdatum: 19.02.2010
Hörzeit: 6 Stunden, 37 Minuten
Verlag: Silberfisch
Format: Hörbuch
Fassung: Gekürzt
ISBN-13: 978-3867420655
Originalpreis: 24,95€

Kurzbeschreibung: 
Miranda sehnt den Sommer herbei, weil sie endlich ihren Führerschein machen will. Aber bevor die Schulferien beginnen, gilt es noch, bei einem Großereignis dabei zu sein: Ein Meteor wird mit dem Mond kollidieren und die ganze Welt fiebert diesem Tag erwartungsvoll entgegen! Womit Miranda ebenso wenig rechnet wie alle anderen Menschen: Der Zusammenprall verschiebt den Mond ein wenig. Die Folgen sind grässlich: Überschwemmungen, Erdbeben, Vulkanausbrüche und Tsunamis - und das Ende aller Gewissheiten. Die Welt, wie Miranda und wir sie kennen, gibt es nicht mehr! Jeder ist auf sich allein gestellt. 

Meinung:
Dieses Buch hatte ich schon beim Erscheinen im Blick – trotzdem hat es sieben Jahre gedauert bis ich mich endlich daran herangewagt habe. Der Klappentext ist so vage, dass man sich im Grunde jeglichen Handlungsverlauf vorstellen kann. Ich selbst hatte dabei eine Mischung aus der Serie „Revolution“ und den typischen Überlebenskämpfen bei Zombieapokalypsen im Kopf – nur eben ohne Zombies. Aber Menschen können ja genauso grausam sein. Aber irgendwie kam es dann doch ganz anders als erwartet.

Miranda ist ein ganz normales Mädchen mit ganz normalen Wünschen und den üblichen Launen eines Teenagers. Ihre Wünsche verpuffen allerdings schlagartig, als der Meteor den Mars verschiebt und dieser ganz plötzlich näher an der Erde ist. Der Roman geht gemächlich los und erklärt erst einmal groß und breit den bevorstehenden Meteoriteneinschlag. Dadurch fühlt man sich letztendlich auch näher dabei, weil man das Grauen selbst miterlebt. Die weitere Handlung war überraschend strukturiert, aber dennoch nicht weniger spannend – zumindest bis zu dem Punkt, an dem sich die Geschichte eingespielt hat und nicht richtig vorankommt. Aber das liegt an der Gesamthandlung. Für Miranda und ihre Familie geht es in diesem Roman ums Überleben – und zwar mit realistischen Mitteln. Dies geht letztendlich so weit, dass der Leser wirklich mitfiebert, ob sie den Winter überstehen werden. Dadurch, dass das Setting sich im Grunde nie verschiebt, steht man ein bisschen auf der Stelle, aber es passieren trotzdem immer wieder Dinge, die der Familie zu schaffen machen. Manchmal sind sie es auch selber, die die Probleme verursachen. Und da wären wir dann schon bei meinem größten Kritikpunkt: Teenagerlaunen. Es mag glaubwürdig sein, dass sich Mutter und Tochter öfter angehen und streiten. Dagegen ist auch gar nichts einzuwenden. Aber irgendwann kommt man an die Grenze, an der es nur noch übertrieben wirkt und die Protagonistin damit auch an Sympathie verliert. Obwohl es absolut irrational ist, zettelt sie immer wieder Streit an.

Als Charakter ist das nicht schlimm, sondern menschlich. Es ist auch ein gutes Mittel, um Miranda nicht als perfektes Engelchen dastehen zu lassen. Aber es ist kein gutes Mittel, wenn man es so oft einsetzt, dass die Streitereien bereits sinnlos wirken. Miranda war ein ganz verträglicher Charakter, aber diese Zwiste haben sie mir doch etwas madiggemacht. Die Mutter ist auch kein Sonnenschein, aber wirkt dabei wenigstens nicht überspitzt. Während es bei Miranda manchmal der Trotz eines Kleinkindes zu sein scheint. Vielleicht sollte damit betont werden, dass sie gerade in der Pubertät steckt, da ihre Brüder sich vergleichsweise normal verhalten, aber mich hat es gestört. Ansonsten waren die Charaktere aber insgesamt in Ordnung. Man erfährt stückchenweise mehr über die Familienmitglieder und bekommt dadurch ein Bild von ihnen.

Stefanie Stappenbecks Stimme passt ziemlich gut zu Miranda. Anfangs muss man sich erst daran gewöhnen, allerdings schafft sie es, der Protagonistin den nötigen jugendlichen Klang zu verleihen. Es war auch sehr einfach, Dialoge und Handlung auseinander zu halten. Der Schreibstil der Autorin wiederum ist eingängig und leicht lesbar. Miranda erzählt aus der Ich-Perspektive und in Tagebuchform. Konzentriert wird sich dabei vor allem auf Mirandas persönliche Gedanken und Sicht auf die Dinge. Daher ist auch der Fokus eher auf die Familie als den Weltuntergang selbst gerichtet. Das ist gleichzeitig etwas schade, aber auch eine kluge Wahl, da man dadurch das ganze Geschehen besser aufnehmen kann.

Dieser Roman ist mal eine andere Herangehensweise an den Weltuntergang und trotzdem nicht weniger charismatisch. Die Idee kann auf jeden Fall punkten, auch wenn ich mit mehr Chaos gerechnet hätte. Aber die Probleme haben hier einfach einen anderen Schwerpunkt. Manches war für mich ein bisschen zu sehr abgehandelt, aber hat für den Roman Sinn gemacht. Zum Beispiel Mirandas kleine Romanze, die sich anders entwickelt als geplant – und damit für mich sogar ein Pluspunkt war. Obwohl es durchaus einige disharmonische Elemente gibt, zieht der Roman einen doch in seinen Sog, weil man wissen möchte, wie die Geschichte für Miranda und ihre Familie endet. Das Ende war dabei auch gleichzeitig überraschend und zu erwarten, aber deshalb nicht schlechtgemacht.

Fazit:
„Die Welt, wie wir sie kannten“ ist ein gutes Jugendbuch, wenn man sich mit realistischen Varianten des Weltuntergangs auseinandersetzen möchte. Es ist allerdings nicht so gut, wenn man keine Lust auf einen zickigen Protagonisten hat, der nur aus Sturheit andauernd auf seiner Meinung besteht. Nichtsdestotrotz war es ein interessantes Hörvergnügen.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 4/5
Sprecher: 4/5
Hörspaß: 4/5

Gesamt:

Mittwoch, 4. Oktober 2017

[Rezension] Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Green

Titel: Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Autor: John Green
Sprecher: Jodie Ahlborn
Genre: Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 08.05.2014
Hörzeit: 7 Stunden, 1 Minute
Verlag: Silberfisch
Format: Hörbuch
Fassung: Ungekürzt
ISBN-13: 978-3-8449-1127-5
Originalpreis: 20,95€

Kurzbeschreibung: 
Die 16-jährige Hazel hat Krebs. Aber sie will auf gar keinen Fall bemitleidet werden und kann mit Selbsthilfegruppen nichts anfangen. Bis sie genau dort auf den intelligenten, gut aussehenden und umwerfend schlagfertigen Gus trifft. Der geht offensiv mit seiner Krankheit um. Hazel und Gus diskutieren Bücher, hören Musik, sehen Filme und verlieben sich ineinander – trotz ihrer Handicaps und Unerfahrenheit. Gemeinsam erfüllen sie Hazels großen Traum und fliegen nach Amsterdam. 

Meinung: 
Um ganz ehrlich zu sein, habe ich mir von diesem Buch nicht viel versprochen. John Green hat sich als Autor wirklich gut gemausert und ein Buch nach dem anderen scheint ein Kassenschlager zu sein. Hinzu kommen noch die Verfilmungen seiner Bücher. Warum ich skeptisch war? Naja, Liebesgeschichten sind ja eh nicht so mein Fall und bei Krebsgeschichten kommt immer auch ein bisschen der Mitleidbonus zum Tragen. Ja, das ist ein Vorurteil, aber es ist berechtigt. Ein Buch zu verreißen, in dem es um Krebs geht, ist viel schwieriger als eines über glitzernde Vampire.

Da besteht allerdings gar kein Grund zur Sorge. Das Buch ist mitnichten perfekt, aber verströmt einen gewissen Sog. Im Mittelpunkt stehen Hazel und Augustus, die beide Krebs haben und sich einander annähern. Augustus ist für Hazel seit langem der erste Lichtblick und zusammen mit ihrem gemeinsamen Freund Izaac wird eine Geschichte rund um ihren Alltag gewoben. Dass dabei nicht alles alltäglich bleibt, ist klar. Etwas suspekt war mir die Tatsache, dass die Charaktere ständig mit Buchzitaten um sich werfen als hätten sie das ganze Buch auswendig gelernt – was nun wirklich nicht sonderlich realistisch ist. Dennoch gefiel mir gerade die Bücheraffinität der Charaktere, die im Roman ja auch einen wichtigen Stellenwert hat und zu dem ein oder anderen bedeutenden Ereignis führt. Auf jeden Fall fühlt sich die Geschichte von Hazel und Gus verdammt echt an. Vielleicht ein bisschen kitschig, aber trotzdem authentisch. Das Ende war insgesamt recht vorhersehbar, aber dennoch berührend.

Die Geschichte wird aus der Perspektive der jungen Hazel erzählt. Krebskrank, aber dennoch tapfer. Sie weiß, dass sie sterben wird, aber dennoch geht sie mit ihrem Schicksal so gut um wie es ihr möglich ist. Und dabei verhält sie sich trotzdem wie eine Jugendliche. Augustus wiederum war mir erstmal suspekt, aber er ist so ein Charmebolzen, das man ihn trotzdem schnell ins Herz schließt, auch wenn er so seine Macken hat und manchmal etwas übertrieben kitschig war. Die beiden geben auf jeden Fall ein süßes Paar ab. Izaac als ihr Freund stört dabei kein bisschen und schafft es der Geschichte noch ein bisschen mehr Realismus zu verleihen. Auch die Eltern sind allesamt gut getroffen. Ein ganz besonderer Charakter in diesem Buch ist außerdem Peter van Houten, Autor von Hazels Lieblingsbuch „Ein herrschaftliches Leiden“. Diese Person hat so viele Gefühle in mir ausgelöst. Bei seinem ersten Auftritt musste ich das Hörbuch sogar kurz unterbrechen, weil ich sprachlos war.

Ich habe die ungekürzte Version mit Jodie Ahlborn als Sprecherin gehört, die ihre Arbeit sehr gut macht und allen auftretenden Figuren einen eigenen Charakter verleiht. Sie hat es auch geschafft Greens speziellen Humor einzufangen. Dieser zieht sich durch das ganze Buch und macht es zu einem besonderen Krebsbuch, weil es eben nicht nur finster und depressiv ist, sondern es auch viele Lichtpunkte gibt. Dabei steht vor allem auch jugendliche Sprache im Mittelpunkt, die aber nicht aufgesetzt wirkt. Schwierig finde ich allerdings die Tatsache, dass Green in seiner Danksagung offen zugibt, dass er die Krankheit nur fiktiv behandelt hat und sich nach Gutdünken selbst zurechtgebastelt hat. Das ändert nichts daran, dass der Roman dennoch tragisch ist, relativiert allerdings einiges. 

Insgesamt hat mich der Roman sehr positiv überrascht und tatsächlich begeistern können. An manchen Punkten verläuft die Handlung zwar etwas holprig und manchmal wirken die Abläufe etwas konstruiert, aber im Gesamtpaket ist es ein schöner Roman, auf den man sich einfach einlassen muss – und bedenken, dass er sich an Jugendliche richtet, die ja nicht so dazu neigen, jeden Satz bis ins kleinste Detail zu analysieren. Das Ende hat mich etwas irritiert, da es so abgehackt war, konnte aber dennoch überzeugen. „Krebsbücher sind doof“ trifft hier absolut nicht zu. Auch wenn man es sich vielleicht noch einmal überlegen sollte, das Buch zu lesen, wenn man selbst bereits mit dem Thema in Berührung kam, da es durchaus sehr an die Nerven gehen kann.

Fazit: 
„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ zeichnet sich durch seine gleichzeitige Leichtigkeit und Schwere aus. Die Figuren dringen tief zu einem durch und sind mehr als blasse Schemen. Die Thematik ist schwierig und in diesem Buch auch auf mehreren Ebenen kritisch zu betrachten, aber insgesamt wirklich gut umgesetzt – als Buch, das zum Nachdenken andenken soll.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 4/5
Sprecher: 4/5
Hörspaß: 5/5

Gesamt:

Dienstag, 3. Oktober 2017

[Reread] Das Zeitalter der Fünf - Magier von Trudi Canavan

Titel: Magier
Reihe: Das Zeitalter der Fünf
Band: 2
Autor: Trudi Canavan
Genre: Heroische Fantasy
Erscheinungsdatum: 10.12.2007
Seiten: 800
Verlag: Blanvalet
Format: Taschenbuch
ISBN-13: 978-3-442-24483-6
Originalpreis: 9,95€

Kurzbeschreibung: 
Auraya hat einen großen Sieg errungen, doch dieser Triumph beschert der jungen Priesterin Nacht für Nacht Alpträume. Und Leiard, der einzige Mensch, der ihr Leid lindern könnte, ist spurlos verschwunden. Als Auraya ausgeschickt wird, um die Opfer einer mysteriösen Krankheit zu heilen, erfährt sie schließlich, dass der Traumweber Leiard seinerseits mit schlimmen Erinnerungen zu kämpfen hat … 

Meinung: 
Nachdem ich ja den ersten Band als Hörbuch genießen durfte, habe ich den zweiten wieder klassisch selbst gelesen. Und gerade in diesem Teil geht es langsam wieder los mit den interessanten Hintergrundgeschichten. Die meisten Charaktere hat man mittlerweile gut kennengelernt, ein paar lernt man neu kennen. Und währenddessen verstricken sich die altbekannten Charaktere in tiefere und komplexere Handlungsstricke. Statt Tryss von den Siyee verfolgen wir diesmal die Erlebnisse der Elaiprinzessin Imi. Für mich persönlich war das allerdings einer der weniger interessanten Perspektiven. Neben Imi lernen wir auch Reivan kennen, eine angehende Pentadrianerin. Ansonsten nehmen vor allem Auraya, Leiard und Emerahl wieder den größten Teil des Romans ein und dabei kommt es zu der ein oder anderen Entdeckung. Gerade der Cliffhanger am Ende des zweiten Bandes ist wirklich fies. Während ich zugeben muss, dass Auraya in diesem Teil leider etwas im Hintergrund bleibt und eher passiv agiert, steht vor allem Leiards Entwicklung im Vordergrund und die vollzieht sich wirklich schlüssig. Insgesamt habe ich mich wieder sehr gefreut, erneut in Nord- und Südithania eintauchen zu können. Man kann hier natürlich nicht mit rasanten Handlungssträngen rechnen, aber dafür sind diese umso tiefgründiger.

Fazit: 
Im Grunde kann ich nur noch einmal auf meine Worte zum ersten Band verweisen: Die Reihe mag ein schlechtes Image haben, aber ist absolut einen Versuch wert. Die Charaktere sind liebenswürdig, Canavans Schreibstil großartig, der Weltenbau bombastisch und die Handlung durchaus originell - wenn auch leider an manchen Stellen durchsichtig. Gerade Fantasy-Fans kann ich die Reihe echt nur ans Herz legen.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 5/5
Schreibstil: 5/5

Gesamt: