Montag, 4. Dezember 2017

[Kurzrezension] Talon - Drachenblut von Julie Kagawa

Titel: Drachenblut
Reihe: Talon
Band: 4
Autor: Julie Kagawa
Genre: Romantasy
Erscheinungsdatum: 25.09.2017
Seiten: 512
Verlag: Heyne fliegt
Format: Hardcover
ISBN-13: 978-3-453-26974-3
Originalpreis: 16,99€

Kurzbeschreibung: 
Auf alles war das unerschrockene Drachenmädchen Ember vorbereitet - aber nicht auf den Schmerz, den sie empfindet, als der Sankt-Georgs-Ritter Garret leblos in ihren Armen niedersinkt, vom Schwert des Gegners schwer verwundet. 

Ohne zu wissen, ob Garret jemals wieder die Augen aufschlagen wird, muss Ember in den nächsten Kampf ziehen. Denn die mächtige Organisation Talon rüstet sich zum endgültigen großen Schlag gegen die Ritter und die aufständischen Drachen. Ganz vorne mit dabei: Dante, Embers Zwillingsbruder. Gemeinsam mit dem rebellischen Drachen Riley, der weiter um ihr Herz kämpft, dringt Ember in Dantes Versteck vor. Was die beiden nicht ahnen: Dante erwartet sie bereits. Und in seinen finsteren Plänen spielt Ember eine der Hauptrollen. Sollte sie sich widersetzen, ist ihr Leben nichts mehr wert ... 

Meinung: 
Der vierte Band der Reihe war gleichzeitig schlechter und besser als der letzte. Die Story spitzt sich langsam zu und das ist auch gut so. Leider hat Kagawa das aber diesmal nicht gut rüberbringen können. Ständig beschreibt sie Gedanken der Charaktere, die diese direkt danach genauso ausführen, wodurch man ständige unnötige Wiederholungen auf wenigen Absätzen hat. Wenn das nur einmal vorgekommen wäre, hätte man damit leben können, aber in dem Umfang hat es irgendwann nur genervt und irritiert. Damit hätte man sich vermutlich sogar ein paar Seiten sparen können. So viel also zum Schreibstil in Band 4. Aber inhaltlich hat man dafür einiges geboten bekommen. In alter Manier gibt es wieder viele actionreiche und auch erschütternde Szenen und gerade das Ende ist dabei sehr spannend. Persönlich fand ich diesmal auch wieder Dantes Szenen interessant. Ember, Garett und Riley haben diesmal etwas rumgedruckst – gerade in Bezug aufeinander, aber es hielt sich noch in erträglichem Rahmen. Schön war, dass auch wieder Jade dabei war. Besonders interessant war, dass man endlich tiefere Einblicke in Embers und Dantes Vergangenheit, sowie die Beweggründe des großen Wyrms bekommt. Auch der wieder auftretende Konflikt mit den Georgskriegern war spannend. Tatsächlich hat in diesem Band Garett fast eine bessere Figur gemacht als Riley, der zwar durchaus wieder wichtige Rolle übernimmt, aber dabei besonders gegen Ende die Kontrolle verliert. Das Ende an und für sich war nicht sonderlich spektakulär, lässt aber auf einen brisanten Abschluss der Reihe hoffen.

Fazit: 
„Talon - Drachenblut“ hat wieder viel zu bieten, wenn man sich mit dem Schreibstil in diesem Band arrangieren kann. Besonders die Haupthandlung macht hier große Fortschritte.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 3/5
Schreibstil: 3/5

Gesamt:

Montag, 13. November 2017

[Rezension] Weltenspalter von Steven Harper

Titel: Weltenspalter
Autor: Steven Harper
Genre: Heroische Fantasy
Erscheinungsdatum: 21.08.2017
Seiten: 480
Verlag: Blanvalet
Format: Taschenbuch
ISBN-13: 978-3-7341-6100-1
Originalpreis: 9,99€

Klappentext: 
Da Trollblut in Danrs Adern fließt, ist er stets Außenseiter gewesen, und so ist die Verbannung wegen seiner Abstammung keine allzu harte Strafe für ihn. Besonders nicht, da Aisa – die Frau, die er liebt – ihn in die Heimat seines Trollvaters begleitet. In dem Reich unter den Eisenbergen angekommen, stoßen die beiden auf eine ungeheuerliche Verschwörung: Die Unterirdischen haben die Göttin des Todes eingekerkert, um Kraft aus den Seelen der Verstorbenen zu ziehen. Nur die magische Axt Weltenspalter kann sie befreien. Danr und Aisa brechen auf, um das Artefakt zu finden. Doch Weltenspalter vermag die Welt nicht nur zu retten. Diese Waffe kann sie auch vernichten … 

Meinung: 
Mittlerweile werden Bücher, in denen Orks oder Trolle nicht die Bösen sind, immer beliebter. Es gab da schon diverse Vorreiter, aber dieses Buch räumt mit den Vorurteilen noch einmal ordentlich auf und vermischt Gut und Böse. Was einem in diesem Buch erwartet, wird durch die Kurzbeschreibung zunächst noch gar nicht richtig klar, die leider etwas arg vage gehalten ist. Aber der Autor spielt hier sehr schön mit den klassischen Völkern der Fantasy.

Denn mit Danr stellt Harper uns einen Charakter vor, der sowohl Mensch als auch Troll ist – und damit zwischen Stanen und Sippen steht. Zunächst lernen wir den Protagonisten und seine Ausgangssituation langsam kennen. Es dauert über hundert Seiten bis die Geschichte endlich ins Rollen kommt. Bis dato wirkt alles ein wenig überladen und man kann die ganzen Informationen nicht richtig zusammensetzen. Danach nimmt der Roman aber an Fahrt auf und der Spannungsbogen steigt – und man hat nunmehr das Gefühl, durch die Ereignisse durch zu hetzen, bis auf wenige Augenblicke. Trotz des wechselnden Tempos, schafft Harper es aber, den Leser durchaus auch zu schocken. Für meinen Geschmack ging alles trotzdem etwas zu chaotisch zu und gegen Ende hin wurde es recht klischeehaft und war auch frühzeitig vorhersehbar. Interessant fand ich allerdings, dass es hier zwei wichtige Handlungsstränge gibt, die Danr und seine Gefährten verfolgen müssen – wobei sie sich entscheiden müssen, welchem sie folgen wollen.

Danr ist gleichzeitig eine naheliegende, aber auch schwierige Identifikationsfigur. Ich konnte ihn ehrlich gesagt nicht recht leiden, auch wenn das Buch ohne seine Eigenarten nicht funktioniert hätte. Er jammert viel, zweifelt pausenlos an sich und hält auch nicht wirklich viel von sich. Das erzeugt natürlich sofort das nötige Bild, das dem Roman zugrunde liegt: Er scheint einfach nirgendwo hinzugehören. Wenn man davon absieht, dass sein Name auch so ziemlich der einzige ist, den man nur mit Mühe aussprechen kann, hat er mir das Lesen doch verleidet. Auch mit Aisa, der zweiten Perspektivträgerin, wurde ich nicht warm. Dafür fand ich aber beide Charakterentwicklungen im Laufe der Geschichte sehr gut ausgearbeitet, auch wenn sie die eigentliche Handlung manchmal zu stark in den Hintergrund gedrängt haben. Aber deshalb ist es auch nicht High Fantasy, sondern Heroische Fantasy.

Harpers Schreibstil ist sehr schlicht und gleichzeitig mit vielen eigenen Begriffen angereichert. Er bedient sich hier stark mythologischer Vorlagen. So gibt es zum Beispiel „Die Drei“, die den griechischen Moiren und germanischen Nornen nachempfunden sind. Ebenfalls gibt es eine eigene Götterwelt, durch die auch die Redewendungen bestimmt werden. Diese Elemente sind im ersten Moment etwas erschlagend, auf lange Sicht aber eine schöne Ausgestaltung, um der Geschichte mehr Leben einzuhauchen.

Wirklich begeistert bin ich vom dem Roman im Nachhinein nicht. Für meinen Geschmack wirkt er viel zu konstruiert. Man kann vieles vorhersehen und dadurch, dass mich die Charaktere nicht gereizt haben, auch wenn sie eigentlich gut ausgearbeitet sind, gab es keinen richtigen Anknüpfpunkt für mich. Dass Gut und Böse hier auf den Kopf gestellt und durcheinandergewirbelt werden, fand ich wiederum gut, auch wenn es am Ende dann doch ein bisschen Schwarz und Weiß wurde. Dennoch feiere ich Harper für ein ganz besonderes Schockelement, das er in den Roman eingebaut hat und mit einem wichtigen Nebencharakter zu tun hat.

Fazit: 
„Weltenspalter“ lädt in eine mythisch geprägte Welt ein, die verschiedene Fantasyvölker auf neue Art präsentiert. Die Charaktere haben dabei alle ihr Päckchen zu tragen und dies dominiert auch den Roman. Trotzdem gibt es auch eine Quest zu erfüllen. Insgesamt ist es ein solider Fantasyroman.

Inhalt: 3/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 3/5
Schreibstil: 4/5

Gesamt:

Montag, 16. Oktober 2017

[Rezension] Die Welt, wie wir sie kannten von Susan Beth Pfeffer

Titel: Die Welt, wie wir sie kannten
Autor: Susan Beth Pfeffer
Sprecher: Stefanie Stappenbeck
Genre: Jugendbuch, Dystopie
Erscheinungsdatum: 19.02.2010
Hörzeit: 6 Stunden, 37 Minuten
Verlag: Silberfisch
Format: Hörbuch
Fassung: Gekürzt
ISBN-13: 978-3867420655
Originalpreis: 24,95€

Kurzbeschreibung: 
Miranda sehnt den Sommer herbei, weil sie endlich ihren Führerschein machen will. Aber bevor die Schulferien beginnen, gilt es noch, bei einem Großereignis dabei zu sein: Ein Meteor wird mit dem Mond kollidieren und die ganze Welt fiebert diesem Tag erwartungsvoll entgegen! Womit Miranda ebenso wenig rechnet wie alle anderen Menschen: Der Zusammenprall verschiebt den Mond ein wenig. Die Folgen sind grässlich: Überschwemmungen, Erdbeben, Vulkanausbrüche und Tsunamis - und das Ende aller Gewissheiten. Die Welt, wie Miranda und wir sie kennen, gibt es nicht mehr! Jeder ist auf sich allein gestellt. 

Meinung:
Dieses Buch hatte ich schon beim Erscheinen im Blick – trotzdem hat es sieben Jahre gedauert bis ich mich endlich daran herangewagt habe. Der Klappentext ist so vage, dass man sich im Grunde jeglichen Handlungsverlauf vorstellen kann. Ich selbst hatte dabei eine Mischung aus der Serie „Revolution“ und den typischen Überlebenskämpfen bei Zombieapokalypsen im Kopf – nur eben ohne Zombies. Aber Menschen können ja genauso grausam sein. Aber irgendwie kam es dann doch ganz anders als erwartet.

Miranda ist ein ganz normales Mädchen mit ganz normalen Wünschen und den üblichen Launen eines Teenagers. Ihre Wünsche verpuffen allerdings schlagartig, als der Meteor den Mars verschiebt und dieser ganz plötzlich näher an der Erde ist. Der Roman geht gemächlich los und erklärt erst einmal groß und breit den bevorstehenden Meteoriteneinschlag. Dadurch fühlt man sich letztendlich auch näher dabei, weil man das Grauen selbst miterlebt. Die weitere Handlung war überraschend strukturiert, aber dennoch nicht weniger spannend – zumindest bis zu dem Punkt, an dem sich die Geschichte eingespielt hat und nicht richtig vorankommt. Aber das liegt an der Gesamthandlung. Für Miranda und ihre Familie geht es in diesem Roman ums Überleben – und zwar mit realistischen Mitteln. Dies geht letztendlich so weit, dass der Leser wirklich mitfiebert, ob sie den Winter überstehen werden. Dadurch, dass das Setting sich im Grunde nie verschiebt, steht man ein bisschen auf der Stelle, aber es passieren trotzdem immer wieder Dinge, die der Familie zu schaffen machen. Manchmal sind sie es auch selber, die die Probleme verursachen. Und da wären wir dann schon bei meinem größten Kritikpunkt: Teenagerlaunen. Es mag glaubwürdig sein, dass sich Mutter und Tochter öfter angehen und streiten. Dagegen ist auch gar nichts einzuwenden. Aber irgendwann kommt man an die Grenze, an der es nur noch übertrieben wirkt und die Protagonistin damit auch an Sympathie verliert. Obwohl es absolut irrational ist, zettelt sie immer wieder Streit an.

Als Charakter ist das nicht schlimm, sondern menschlich. Es ist auch ein gutes Mittel, um Miranda nicht als perfektes Engelchen dastehen zu lassen. Aber es ist kein gutes Mittel, wenn man es so oft einsetzt, dass die Streitereien bereits sinnlos wirken. Miranda war ein ganz verträglicher Charakter, aber diese Zwiste haben sie mir doch etwas madiggemacht. Die Mutter ist auch kein Sonnenschein, aber wirkt dabei wenigstens nicht überspitzt. Während es bei Miranda manchmal der Trotz eines Kleinkindes zu sein scheint. Vielleicht sollte damit betont werden, dass sie gerade in der Pubertät steckt, da ihre Brüder sich vergleichsweise normal verhalten, aber mich hat es gestört. Ansonsten waren die Charaktere aber insgesamt in Ordnung. Man erfährt stückchenweise mehr über die Familienmitglieder und bekommt dadurch ein Bild von ihnen.

Stefanie Stappenbecks Stimme passt ziemlich gut zu Miranda. Anfangs muss man sich erst daran gewöhnen, allerdings schafft sie es, der Protagonistin den nötigen jugendlichen Klang zu verleihen. Es war auch sehr einfach, Dialoge und Handlung auseinander zu halten. Der Schreibstil der Autorin wiederum ist eingängig und leicht lesbar. Miranda erzählt aus der Ich-Perspektive und in Tagebuchform. Konzentriert wird sich dabei vor allem auf Mirandas persönliche Gedanken und Sicht auf die Dinge. Daher ist auch der Fokus eher auf die Familie als den Weltuntergang selbst gerichtet. Das ist gleichzeitig etwas schade, aber auch eine kluge Wahl, da man dadurch das ganze Geschehen besser aufnehmen kann.

Dieser Roman ist mal eine andere Herangehensweise an den Weltuntergang und trotzdem nicht weniger charismatisch. Die Idee kann auf jeden Fall punkten, auch wenn ich mit mehr Chaos gerechnet hätte. Aber die Probleme haben hier einfach einen anderen Schwerpunkt. Manches war für mich ein bisschen zu sehr abgehandelt, aber hat für den Roman Sinn gemacht. Zum Beispiel Mirandas kleine Romanze, die sich anders entwickelt als geplant – und damit für mich sogar ein Pluspunkt war. Obwohl es durchaus einige disharmonische Elemente gibt, zieht der Roman einen doch in seinen Sog, weil man wissen möchte, wie die Geschichte für Miranda und ihre Familie endet. Das Ende war dabei auch gleichzeitig überraschend und zu erwarten, aber deshalb nicht schlechtgemacht.

Fazit:
„Die Welt, wie wir sie kannten“ ist ein gutes Jugendbuch, wenn man sich mit realistischen Varianten des Weltuntergangs auseinandersetzen möchte. Es ist allerdings nicht so gut, wenn man keine Lust auf einen zickigen Protagonisten hat, der nur aus Sturheit andauernd auf seiner Meinung besteht. Nichtsdestotrotz war es ein interessantes Hörvergnügen.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 4/5
Sprecher: 4/5
Hörspaß: 4/5

Gesamt:

Mittwoch, 4. Oktober 2017

[Rezension] Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Green

Titel: Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Autor: John Green
Sprecher: Jodie Ahlborn
Genre: Jugendbuch
Erscheinungsdatum: 08.05.2014
Hörzeit: 7 Stunden, 1 Minute
Verlag: Silberfisch
Format: Hörbuch
Fassung: Ungekürzt
ISBN-13: 978-3-8449-1127-5
Originalpreis: 20,95€

Kurzbeschreibung: 
Die 16-jährige Hazel hat Krebs. Aber sie will auf gar keinen Fall bemitleidet werden und kann mit Selbsthilfegruppen nichts anfangen. Bis sie genau dort auf den intelligenten, gut aussehenden und umwerfend schlagfertigen Gus trifft. Der geht offensiv mit seiner Krankheit um. Hazel und Gus diskutieren Bücher, hören Musik, sehen Filme und verlieben sich ineinander – trotz ihrer Handicaps und Unerfahrenheit. Gemeinsam erfüllen sie Hazels großen Traum und fliegen nach Amsterdam. 

Meinung: 
Um ganz ehrlich zu sein, habe ich mir von diesem Buch nicht viel versprochen. John Green hat sich als Autor wirklich gut gemausert und ein Buch nach dem anderen scheint ein Kassenschlager zu sein. Hinzu kommen noch die Verfilmungen seiner Bücher. Warum ich skeptisch war? Naja, Liebesgeschichten sind ja eh nicht so mein Fall und bei Krebsgeschichten kommt immer auch ein bisschen der Mitleidbonus zum Tragen. Ja, das ist ein Vorurteil, aber es ist berechtigt. Ein Buch zu verreißen, in dem es um Krebs geht, ist viel schwieriger als eines über glitzernde Vampire.

Da besteht allerdings gar kein Grund zur Sorge. Das Buch ist mitnichten perfekt, aber verströmt einen gewissen Sog. Im Mittelpunkt stehen Hazel und Augustus, die beide Krebs haben und sich einander annähern. Augustus ist für Hazel seit langem der erste Lichtblick und zusammen mit ihrem gemeinsamen Freund Izaac wird eine Geschichte rund um ihren Alltag gewoben. Dass dabei nicht alles alltäglich bleibt, ist klar. Etwas suspekt war mir die Tatsache, dass die Charaktere ständig mit Buchzitaten um sich werfen als hätten sie das ganze Buch auswendig gelernt – was nun wirklich nicht sonderlich realistisch ist. Dennoch gefiel mir gerade die Bücheraffinität der Charaktere, die im Roman ja auch einen wichtigen Stellenwert hat und zu dem ein oder anderen bedeutenden Ereignis führt. Auf jeden Fall fühlt sich die Geschichte von Hazel und Gus verdammt echt an. Vielleicht ein bisschen kitschig, aber trotzdem authentisch. Das Ende war insgesamt recht vorhersehbar, aber dennoch berührend.

Die Geschichte wird aus der Perspektive der jungen Hazel erzählt. Krebskrank, aber dennoch tapfer. Sie weiß, dass sie sterben wird, aber dennoch geht sie mit ihrem Schicksal so gut um wie es ihr möglich ist. Und dabei verhält sie sich trotzdem wie eine Jugendliche. Augustus wiederum war mir erstmal suspekt, aber er ist so ein Charmebolzen, das man ihn trotzdem schnell ins Herz schließt, auch wenn er so seine Macken hat und manchmal etwas übertrieben kitschig war. Die beiden geben auf jeden Fall ein süßes Paar ab. Izaac als ihr Freund stört dabei kein bisschen und schafft es der Geschichte noch ein bisschen mehr Realismus zu verleihen. Auch die Eltern sind allesamt gut getroffen. Ein ganz besonderer Charakter in diesem Buch ist außerdem Peter van Houten, Autor von Hazels Lieblingsbuch „Ein herrschaftliches Leiden“. Diese Person hat so viele Gefühle in mir ausgelöst. Bei seinem ersten Auftritt musste ich das Hörbuch sogar kurz unterbrechen, weil ich sprachlos war.

Ich habe die ungekürzte Version mit Jodie Ahlborn als Sprecherin gehört, die ihre Arbeit sehr gut macht und allen auftretenden Figuren einen eigenen Charakter verleiht. Sie hat es auch geschafft Greens speziellen Humor einzufangen. Dieser zieht sich durch das ganze Buch und macht es zu einem besonderen Krebsbuch, weil es eben nicht nur finster und depressiv ist, sondern es auch viele Lichtpunkte gibt. Dabei steht vor allem auch jugendliche Sprache im Mittelpunkt, die aber nicht aufgesetzt wirkt. Schwierig finde ich allerdings die Tatsache, dass Green in seiner Danksagung offen zugibt, dass er die Krankheit nur fiktiv behandelt hat und sich nach Gutdünken selbst zurechtgebastelt hat. Das ändert nichts daran, dass der Roman dennoch tragisch ist, relativiert allerdings einiges. 

Insgesamt hat mich der Roman sehr positiv überrascht und tatsächlich begeistern können. An manchen Punkten verläuft die Handlung zwar etwas holprig und manchmal wirken die Abläufe etwas konstruiert, aber im Gesamtpaket ist es ein schöner Roman, auf den man sich einfach einlassen muss – und bedenken, dass er sich an Jugendliche richtet, die ja nicht so dazu neigen, jeden Satz bis ins kleinste Detail zu analysieren. Das Ende hat mich etwas irritiert, da es so abgehackt war, konnte aber dennoch überzeugen. „Krebsbücher sind doof“ trifft hier absolut nicht zu. Auch wenn man es sich vielleicht noch einmal überlegen sollte, das Buch zu lesen, wenn man selbst bereits mit dem Thema in Berührung kam, da es durchaus sehr an die Nerven gehen kann.

Fazit: 
„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ zeichnet sich durch seine gleichzeitige Leichtigkeit und Schwere aus. Die Figuren dringen tief zu einem durch und sind mehr als blasse Schemen. Die Thematik ist schwierig und in diesem Buch auch auf mehreren Ebenen kritisch zu betrachten, aber insgesamt wirklich gut umgesetzt – als Buch, das zum Nachdenken andenken soll.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 4/5
Sprecher: 4/5
Hörspaß: 5/5

Gesamt:

Dienstag, 3. Oktober 2017

[Reread] Das Zeitalter der Fünf - Magier von Trudi Canavan

Titel: Magier
Reihe: Das Zeitalter der Fünf
Band: 2
Autor: Trudi Canavan
Genre: Heroische Fantasy
Erscheinungsdatum: 10.12.2007
Seiten: 800
Verlag: Blanvalet
Format: Taschenbuch
ISBN-13: 978-3-442-24483-6
Originalpreis: 9,95€

Kurzbeschreibung: 
Auraya hat einen großen Sieg errungen, doch dieser Triumph beschert der jungen Priesterin Nacht für Nacht Alpträume. Und Leiard, der einzige Mensch, der ihr Leid lindern könnte, ist spurlos verschwunden. Als Auraya ausgeschickt wird, um die Opfer einer mysteriösen Krankheit zu heilen, erfährt sie schließlich, dass der Traumweber Leiard seinerseits mit schlimmen Erinnerungen zu kämpfen hat … 

Meinung: 
Nachdem ich ja den ersten Band als Hörbuch genießen durfte, habe ich den zweiten wieder klassisch selbst gelesen. Und gerade in diesem Teil geht es langsam wieder los mit den interessanten Hintergrundgeschichten. Die meisten Charaktere hat man mittlerweile gut kennengelernt, ein paar lernt man neu kennen. Und währenddessen verstricken sich die altbekannten Charaktere in tiefere und komplexere Handlungsstricke. Statt Tryss von den Siyee verfolgen wir diesmal die Erlebnisse der Elaiprinzessin Imi. Für mich persönlich war das allerdings einer der weniger interessanten Perspektiven. Neben Imi lernen wir auch Reivan kennen, eine angehende Pentadrianerin. Ansonsten nehmen vor allem Auraya, Leiard und Emerahl wieder den größten Teil des Romans ein und dabei kommt es zu der ein oder anderen Entdeckung. Gerade der Cliffhanger am Ende des zweiten Bandes ist wirklich fies. Während ich zugeben muss, dass Auraya in diesem Teil leider etwas im Hintergrund bleibt und eher passiv agiert, steht vor allem Leiards Entwicklung im Vordergrund und die vollzieht sich wirklich schlüssig. Insgesamt habe ich mich wieder sehr gefreut, erneut in Nord- und Südithania eintauchen zu können. Man kann hier natürlich nicht mit rasanten Handlungssträngen rechnen, aber dafür sind diese umso tiefgründiger.

Fazit: 
Im Grunde kann ich nur noch einmal auf meine Worte zum ersten Band verweisen: Die Reihe mag ein schlechtes Image haben, aber ist absolut einen Versuch wert. Die Charaktere sind liebenswürdig, Canavans Schreibstil großartig, der Weltenbau bombastisch und die Handlung durchaus originell - wenn auch leider an manchen Stellen durchsichtig. Gerade Fantasy-Fans kann ich die Reihe echt nur ans Herz legen.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 5/5
Schreibstil: 5/5

Gesamt:

Montag, 2. Oktober 2017

[Rezension] Aquila von Ursula Poznanski

Titel: Aquila
Autor: Ursula Poznanski
Sprecher: Laura Maire
Genre: Thriller
Erscheinungsdatum: 14.08.2017
Hörzeit: 11 Stunden, 53 Minuten
Verlag: der Hörverlag
Format: Hörbuch
Fassung: Ungekürzt
ISBN-13: 978-3-8445-2705-6
Originalpreis: 16,99€

Kurzbeschreibung: 
Als Nika an einem Sonntagmorgen ziemlich verkatert in den Badezimmerspiegel schaut, steht dort diese Nachricht. Wer hat sie an den Spiegel geschmiert? Und was hat sie zu bedeuten? Wo sind Nikas Hausschlüssel und ihr Handy? Wo ist Jenny, ihre Mitbewohnerin? Und warum ist ihr heute überhaupt so schlecht, sie hat doch gestern gar nicht viel getrunken? Erst durch die Morgennachrichten im Fernsehen erfährt Nika, dass heute gar nicht Sonntag ist, sondern Dienstag. Ihr fehlt die Erinnerung an zwei ganze Tage, in denen irgendetwas Schreckliches passiert sein muss. Aber was? 

Meinung: 
Nachdem mich bereits andere Thriller der Autorin begeistern konnten, hat mich „Aquila“ ebenfalls sehr gereizt. Das Cover ist ein wirkliches Augenschmankerl. Ich muss allerdings sagen, dass ich dabei immer zuerst an den deutschen Adler denke – und nicht an Siena. Wie auch schon bei „Elanus“ hält man hier eine Papphülle in der Hand, was deutlich praktischer ist als die leicht zerbrechlichen Plastikhüllen. Enthalten ist eine CD mit 227 Tracks, die auf 36 Kapitel aufgeteilt werden. Die Kurzbeschreibung lässt erstmal viel Spielraum zum Fantasieren und so tappte ich auch in die Falle und habe dabei an völlig andere Handlungsmuster gedacht.

Aber Poznanski ist dabei viel cleverer. Nie wäre ich darauf gekommen, was am Ende der Geschichte herauskommt. Der Anfang ist zunächst verwirrend, aber das macht Sinn, da die Protagonistin selbst verwirrt ist und nicht den Hauch einer Ahnung hat, was passiert ist – oder dass überhaupt so viele Tage vergangen sind. Schließlich versucht sie die vergessenen Tage wieder zusammen zu puzzeln, aber das ist gar nicht so einfach und vor allem warten noch ein paar erschütternde Erkenntnisse auf sie. Mir persönlich kam die Offenbarung dabei etwas zu früh, was aber daran lag, dass man es schnell kommen sehen kann – zumindest ungefähr. Aber trotzdem hat die Autorin hier wieder einen wirklich guten Roman abgeliefert. Nika weiß nicht, wem sie trauen kann und das wird wirklich perfekt vermittelt. Gleichzeitig ist sie aber auch etwas naiv und offenbart sich dann doch dem ein oder anderen. Und da wären wir dann auch bei der obligatorischen Liebesgeschichte, die mir zwar anfangs etwas zu aufgesetzt wirkte, aber insgesamt dann doch sehr schlüssig konstruiert wurde. Besonders gut an diesem Buch ist die Tatsache, dass Poznanski alle Informationen Stück für Stück serviert und in Nika nur langsam wieder Erinnerungen aufkommen. Die Spannung reißt dabei nicht ab und wird immer wieder auf den Gipfel getrieben. Gepaart mit Nikas Verzweiflung ergibt dies eine sehr intensive Mischung. Die letztendliche Auflösung war wie gesagt sehr überraschend, aber gleichzeitig auch wieder ein bisschen zu sang- und klanglos. Da hat mir einfach dieser „Wow“-Effekt gefehlt. So fügt sich das Puzzle zwar 1:1 zusammen, aber halt nicht nach.

Authentisch wirken die Charaktere allesamt, sympathisch nicht alle, aber das sticht eher positiv heraus. Nika stellt die typische deutsche Auslandssemestlerin dar, die sich dort noch zurechtfinden muss. Italienisch kann sie so gut wie gar nicht und so hat sie natürlich ideales Identifikationspotenzial. Die Sache mit den fehlenden zwei Tagen grätscht da zwar ein bisschen rein, aber das ist nicht schlimm. Sie ist insgesamt recht sympathisch, wenn auch scheinbar wirklich überempfindlich und sensibel. Die anderen Charaktere haben sich insgesamt sehr schlüssig verhalten. Gerade der Commissario hat mir sehr gut gefallen.

Laura Maire war wirklich eine grandiose Sprecherin. Hut ab! Erst durch sie wurden das Setting und Nika lebendig. Personenwechsel gehen ihr dabei ganz locker von der Hand (bzw. Stimme) und Erzähltext und Dialoge verschwimmen bei ihr nie. Gerade auch die italienischen Akzente hat sie gut getroffen. Poznanskis Schreibstil tut dabei natürlich sein Übriges. Die Autorin zeigt hier wieder wie lebendig und bildlich sie erzählen kann. Die Spannung blieb zwar an manchen Stellen etwas auf der Strecke, aber dies macht gerade die hingebungsvolle Ausschmückung der Charaktere und des Settings wieder wett. Die gedrückte Atmosphäre durchdringt einen jedenfalls förmlich.

„Aquila“ erinnert mich hier ein bisschen an „Elanus“. Ersteres gefällt mir zwar einen Tick besser, aber trotzdem konnte mich die Autorin nicht komplett überzeugen. Die Auflösung war dafür schon fast zu perfide. Und vor allem auch teilweise vorhersehbar, in welche Richtung sich der Roman schlagen würde. Es hat trotzdem Spaß gemacht, der Sprecherin zuzuhören und mit Nika langsam hinter die Verstrickungen der zwei fehlenden Tage zu kommen. Wie immer fand ich gerade die Charaktere, die wie aus dem Leben gegriffen wirken, am besten. Gefehlt hat mir etwas die besondere Thematik, die die Autorin sonst immer in ihre Romane einbindet. Ein Auslandssemester ist zwar spannend, aber da Nika dabei so passiv bleibt, verzerrt sich der Effekt.

Fazit:
„Aquila“ bietet dem Leser – oder Hörer – definitiv wieder ein wunderbares Vergnügen, gerade auch wenn man sich ein bisschen für Italien interessiert. In die Protagonistin Nika kann man sich recht schnell einfühlen. Die Sprecherin Laura Maire trägt dazu bei, dass man gar nicht mehr aufhören möchte das Hörbuch zu verschlingen.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 4/5
Sprecher: 5/5
Schreibstil: 5/5
Hörspaß: 5/5

Gesamt: 

Samstag, 9. September 2017

[Was lernen wir daraus?] Die Tribute von Panem von Suzanne Collins

Oft wird Lesern von Trivialliteratur Anspruchslosigkeit vorgeworfen. Natürlich hat ein „Harry Potter“ nicht den gleichen literarischen Status wie ein „Faust“ oder „Krieg und Frieden“. Dennoch stelle ich die gewagte These auf, dass man aus jeder Literatur ihren Nutzen ziehen kann. Das muss aber nicht immer so offensichtlich sein. Und es kann auch unterhaltsam sein, gerne sogar. Jedes Buch hat seine Lehren. Nur weil ein Buch glitzernde Vampir enthält, muss es ja nicht Schund sein, nur weil es vielleicht keine hochgebildeten Themen bespricht oder eine außergewöhnliche Sprache nutzt. 

Heute im Gespräch:

Reihe: Die Tribute von Panem
Bände: 3
Autor: Suzanne Collins
Genre: Dystopie
Verlag: Oetinger 
Meine Rezensionen:
Tödliche Spiele
Gefährliche Liebe
Flammender Zorn

Kurzbeschreibung: 
Überwältigend! Von der Macht der Liebe in grausamer Zeit ... 

Nordamerika existiert nicht mehr. Kriege und Naturkatastrophen haben das Land zerstört. Aus den Trümmern ist Panem entstanden, geführt von einer unerbittlichen Regierung. Alljährlich finden grausame Spiele statt, bei denen nur ein Einziger überleben darf. Als die sechzehnjährige Katniss erfährt, dass ihre kleine Schwester ausgelost wurde, meldet sie sich an ihrer Stelle und nimmt Seite an Seite mit dem gleichaltrigen Peeta den Kampf auf. Wider alle Regeln rettet er ihr das Leben. Katniss beginnt zu zweifeln - was empfindet sie für Peeta? Und kann wirklich nur einer von ihnen überleben? 

Und was lernen wir daraus? 

1. Manchmal tritt man mit einem kleinen Stein eine ganze Lawine los.
2. Manchmal kann man das Schicksal nicht aufhalten.
3. Oft sehen andere Menschen uns viel positiver als wir selbst es tun.
4. Mache niemals ein Feuer, wenn Mörder umherschleichen.
5. Charisma ist eine stark unterschätzte Fähigkeit und kann einen durchaus durchs Leben mogeln.
6. Manchmal kann man nicht jedem helfen.
7. Manchmal weiß man selbst gar nicht, dass oder wie sehr man jemanden liebt.
8. Wir alle haben jemanden oder etwas, für den oder das wir alles tun würde.
9. Die offensichtlichsten Dinge sind oft am schwierigsten zu erkennen.
10. Der Überlebensinstinkt ist der ureigenste Instinkt des Menschen.
11. Gemeinsam kann man viel erreichen.
12. Manche Lügen können zu Wahrheiten werden.
13. Wenn man am glücklichsten ist, kann man am tiefsten fallen.
14. Sich bei Gewitter neben einen hohen Baum zu stellen ist nicht unbedingt die beste Idee.
15. Freundschaften können aus den ungewöhnlichsten Gründen und unter den ungewöhnlichsten Umständen entstehen.

Freitag, 8. September 2017

[Gesellschaftskritische Gedanken] Die Tribute von Panem von Suzanne Collins

Reihe: Die Tribute von Panem
Bände: 3
Autor: Suzanne Collins
Genre: Dystopie
Verlag: Oetinger 
Meine Rezensionen:
Tödliche Spiele
Gefährliche Liebe
Flammender Zorn

Kurzbeschreibung: 
Überwältigend! Von der Macht der Liebe in grausamer Zeit ... 

Nordamerika existiert nicht mehr. Kriege und Naturkatastrophen haben das Land zerstört. Aus den Trümmern ist Panem entstanden, geführt von einer unerbittlichen Regierung. Alljährlich finden grausame Spiele statt, bei denen nur ein Einziger überleben darf. Als die sechzehnjährige Katniss erfährt, dass ihre kleine Schwester ausgelost wurde, meldet sie sich an ihrer Stelle und nimmt Seite an Seite mit dem gleichaltrigen Peeta den Kampf auf. Wider alle Regeln rettet er ihr das Leben. Katniss beginnt zu zweifeln - was empfindet sie für Peeta? Und kann wirklich nur einer von ihnen überleben? 


Meine Gedanken (mit Spoilern): 
Mit „Die Tribute von Panem“ wurden Dystopien wieder Kult. Obwohl selbst der dritte Band bereits vor über sechs Jahren erschienen ist, bleibt es – vermutlich nicht nur für mich – eine absolute Besonderheit im Dystopiebereich. Ob Collins sich nun wirklich von „Battle Royale“ inspirieren lassen hat oder nicht – ihre Reihe ist ein großes Mahnmal an die Gesellschaft und auf ihre Art einzigartig. Warum?

Mich persönlich faszinieren Dystopien und ihre Gesellschaftskritik sehr. Mit ihnen kann jedes Thema so verarbeitet werden, dass auch Jüngere oder weniger interessierte Leute erreicht werden. In der Buchreihe „Die Tribute von Panem“ geht es dabei um ein Regierungssystem, das auf Unterdrückung setzt. Das Volk wird in Gruppen eingeteilt, um zu zeigen, dass es nicht geeint ist. Und um dies noch extremer zu verdeutlichen, wird jedes Jahr ein Wettkampf veranstaltet, in dem sich die Jugendlichen der Distrikte auf den Tod bekämpfen müssen. Das System funktioniert, weil niemand dagegen aufbegehrt. Es funktioniert, weil man viele kleine Gruppen besser kontrollieren kann als eine einzige. Und es funktioniert, weil die Distrikte in ihrer Kommunikation voneinander vollkommen abgeschnitten sind.

Interessant wäre herauszufinden, wie es überhaupt dazu kam, dass sich Distrikte und ein Kapitol gebildet haben. Wenn man sich unsere aktuelle Welt ansieht, geht ja alles mehr Richtung Individualität und jeder hat seine eigenen Lebensvorstellungen und vor allem beruflichen Wünsche. Dass innerhalb von Generationen der gleiche Beruf ausgeübt wird, ist kaum noch gängig und doch findet dieses System in Panem durchaus Verwendung. Wer in Distrikt 12 geboren wird, kann nicht einfach Fischer oder Holzfäller werden. Und da kommt gleich die nächste Frage auf: Was machen eigentlich die Leute im Kapitol? Einige haben offensichtlich Läden, einige sind Politiker, einige gehören fest integriert zu den Spielen. Wahrscheinlich gibt es auch noch andere Unterhaltungsmöglichkeiten, aber so verwöhnt und unterhaltungsausgerichtet diese Gesellschaft ist, müssen sie trotzdem von irgendwas leben – und zwar jeder einzelne von ihnen. Sonst stellt sich die Frage, ob viele der Bewohner des Kapitols einfach nur Erben reicher Familien sind und sich dies durchgängig fortsetzt. Trotzdem könnte das nicht für immer gutgehen.

Wenn man mal anfängt zu rechnen, sind 75 Jahre gar keine so lange Zeit. Wie das in Panem ist…nun, das steht natürlich auf einem anderen Blatt, aber Todesraten sind ja leider nur in Maßen bekannt. Es ist faszinierend, dass in der gesamten Reihe nie ein wirklich alter Mensch mal seine Gedanken zu den Spielen äußert. Die Ältesten bilden tatsächlich Haymitch und Katniss‘ Mutter. Aber das waren die 50. Spiele und davor kann so viel passiert sein. Das ist tatsächlich etwas schade, denn dadurch könnte ein bisschen Licht ins Spiel gebracht werden, um die Beweggründe des Kapitols besser zu verstehen. Nicht einmal über Generationen hinweg gibt es Erzählungen. Zensur durch das Kapitol oder aus Angst? Katniss‘ Mutter hatte ja auch Angst, dass Katniss und Prim die Lieder ihres Vaters einfach nachsingen und hat sie verboten. Redet deshalb niemand über die Vergangenheit? Distrikt 13 zählt dabei nicht. Sie reden zwar gerne und viel über ihre Vergangenheit, aber nur in dem Rahmen, der sie betrifft.

Jugendliche sind in der Regel in ihrer Reifezeit. Mit Kindern könnte man auch einen krassen Effekt erzielen. Diese sind niedlich und wecken den Beschützerinstinkt im Menschen. Bei Erwachsenen wiederum passiert das kaum. Selbst bei uns schauen viele weg, wenn jemandem was auf der Straße passiert. Jugendliche sind daher sehr raffiniert gewählt. Sie sind noch so jung, dass es die Distrikte bestürzt, sie zu verlieren, aber wiederum so alt, dass die Bewohner des Kapitols keine zu starken Emotionen zu ihnen aufbauen. Natürlich geht das auch bei Jugendlichen, aber aus Sicht des Kapitols sind Jugendliche schön und stark. Sie können kämpfen, sind noch in bester Form, aber auch nicht mehr hilflos.

Distrikt 12 wird vom Kapitol kaum beachtet. Die Versorgung ist erbärmlich. Viele hungern, aber dafür stehen die Außengrenzen nur selten unter Strom. Stellt sich die Frage: Warum? Ist Distrikt 12 dem Kapitol so unwichtig? Brauchen sie einfach keine Kohle? Man kann vielleicht davon ausgehen, dass das Kapitol nicht gerade mit Kohle heizt, aber die anderen Distrikte definitiv. Und außerdem dient Kohle ja nicht nur zur Wärmeerzeugung, sondern auch zur Stromerzeugung. Hat das Kapitol eine wirksamere Methode zur Stromgewinnung? Ja, natürlich. Distrikt 5. Denn die sind ja nur dazu da. Und Strom ist für das Kapitol eines der wichtigsten Dinge überhaupt. Ohne Strom könnten sie nicht einmal die Distrikte wirksam in Schach halten. Daneben scheint Distrikt 12 nur eine minimale Bedeutung zu haben, obwohl Kohle ein wichtiger Faktor zur Energiegewinnung ist. Wenn dies aber so wichtig ist, macht es keinen Sinn, Distrikt 12 so zu vernachlässigen. Mag sein, dass Distrikt 11 zum Beispiel viel grundlegender für die gesamte Bevölkerung ist, weil sie nun einmal Nahrung produzieren, aber heißt das, dass das Kapitol ihr Luxusgut Strom gar nicht so wichtig findet? Scheinbar gab es ja einen Umbruch von Friedenswächter zu Friedenswächter, was auch bedeutet, dass es früher mal anders war.

Wie bricht man eine Figur in 1.276 Seiten? Ganz einfach. Man bedroht das, was die Figur liebt. Also, Prim, ihre kleine Schwester. Man sorgt dafür, dass dieses etwas in akuter Lebensgefahr ist und die Person trotzdem die Chance hat, etwas zu unternehmen. Sich freiwillig für die Spiele melden. Dann lässt man sie den größten Horror erleben, den sie nur für ihre Schwester auf sich genommen hat. Man gibt ihr wieder eine Person, die sie langsam zu lieben lernt. Und nimmt sie ihr weg. Ohne Hoffnung, etwas unternehmen zu können. Man sorgt dafür, dass diese Person sie später nicht mehr liebt. Unerwiderte Liebe ist grausam. Unsere Figur hat nun alles wieder. Beide Personen, die sie mehr als alles andere liebt. Und dann stößt man sie an den Abgrund und sorgt dafür, dass alle Geschehnisse von Beginn an sich sinnlos anfühlen: Prim muss sterben. Vor Katniss‘ Augen, während sie nichts dagegen tun kann. Denn so hätte es eigentlich kommen müssen. Und dann sorgt man noch dafür, dass das Vertrauen in die einzige Person, der man immer vertraut hat, gebrochen wird. Mehr braucht es gar nicht.

Und trotzdem war nicht alles umsonst. Katniss hat zwar verloren, wofür sie ganz persönlich gekämpft hat, aber dafür hat sie allen anderen in Panem die Möglichkeit gegeben, sich endlich aus der Tyrannei zu befreien. Sie hat den Stein ins Rollen gebracht, auch wenn sie nie die Intention dazu hatte. Die Schlacht mag vielleicht verloren sein, der Krieg jedoch nicht.

Dies sind nur einige wenige Gedanken zur Buchreihe, die man natürlich unendlich weiterspinnen könnte. Es gibt so viele unbeantwortete Fragen und so viele kritische Themen, die in diesen Büchern verarbeitet werden. Und trotzdem wirken sie nie aufgesetzt, sondern so lebensecht, dass einem die Erlebnisse manchmal den Atem rauben und sich immer wieder in die Gedanken einschleichen.

Habt ihr euch auch schon einmal intensivere Gedanken zur Panem-Reihe gemacht? Was ist euch besonders aufgefallen?

Mittwoch, 6. September 2017

[Rezension] Paladero - Die Reiter des Donners von Steven Lochran

Titel: Die Reiter des Donners
Reihe: Paladero
Band: 1
Autor: Steven Lochran
Genre: Fantasy, Jugendroman
Erscheinungsdatum: 14.08.2017
Seiten: 320
Verlag: cbt
Format: Taschenbuch
ISBN-13: 978-3-570-31148-6
Originalpreis: 9,99€

Klappentext: 
Joss träumt schon immer davon, ein Paladero zu werden, ein Reiter des Donnerreichs. Diesen Titel zu erlangen, erfordert Mut, Kraft und die Bereitschaft, das eigene Leben zu riskieren. Gemeinsam mit drei Mitstreitern macht Joss sich mit seinem treuen Raptor Azof auf den Weg durch das Donnerreich, um sich zahlreichen Mutproben zu stellen. Nur wer die seltenen Eier einer bisher unbezwingbaren Donnerechse unversehrt zurück nach Turmstadt bringt, hat es verdient, die Ausbildung zum Paladero anzutreten. Doch es warten nicht nur menschliche Gefahren auf die vier Gefährten … 

Meinung: 
Jurassic Park trifft auf Game of Thrones – darunter kann man sich eigentlich keinen Jugendroman vorstellen. Trotzdem klingt es nach einer verlockenden Mischung und das wirklich schöne Cover wurde zum Glück ins Deutsche übernommen. Kann das Buch also halten, was es verspricht? Dinosaurier und Intrigen?

Diese Frage kann man weder ganz mit Ja, noch mit Nein beantworten. Die Handlung kommt recht zügig in Gang und man lernt den Protagonisten schnell kennen. Der junge Knappe Joss will unbedingt Paladero werden und sieht seine Chance, um diesem Wunsch auf die Sprünge zu helfen. Die Handlung rauscht nahezu an einem vorbei, ein Ereignis jagt das andere. Das Königreich Ai bietet ein faszinierendes Setting, ein Mischmasch aus Dinosauriern und einer Art Wüstenatmosphäre gepaart mit wirklich fortschrittlicher Technologie. Dieser Kontrast fällt allerdings nicht negativ auf. Der Ansatz ist durchaus sehr originell. Joss tritt in diesem Buch die typische Heldenreise an und muss dabei auch über sich hinauswachsen. Das wird sehr schön umgesetzt. Generell ist dieser Roman thematisch wirklich großartig, da zum Beispiel auch das Thema Transgender auf sensible und positive Weise verarbeitet wird. Die Plotstränge sind zwar nicht unbedingt komplex, aber durchaus spannend. Mit Game of Thrones kann man das Buch aber nun wirklich kaum vergleichen. Es gibt zwar durchaus die ein oder andere Intrige, aber der Vergleich hinkt einfach.

Gerade die Charaktere sorgen dafür, dass man doch mitfiebert, auch wenn so manches etwas vorhersehbar war. Joss ist ein sympathischer Junge, der die ideale Identifikationsperson bildet, da er selbst nur mit dem Ort vertraut ist, an dem er aufgewachsen ist und ansonsten gemeinsam mit dem Leser alles entdeckt. Er ist zwar manchmal auch etwas anstrengend gewesen, aber insgesamt ein durchdachter Charakter. Auch seine Gefährten Zeke, Drache und Heldin sind ausgefeilt und glaubwürdig. An die Namen muss man sich erst gewöhnen und es wird auch nicht erklärt, warum Drache zum Beispiel mit seinem Nachnamen angesprochen wird.

Der Schreibstil des Autors ist flüssig und erzeugt ein großartiges Kopfkino. Gerade für Jugendliche ist der Stil auch durchaus angemessen und nicht zu anspruchsvoll. Wie gesagt wirkt die Namensverteilung etwas willkürlich, auch wenn viele davon einen südländischen Touch haben. Das irritiert teilweise ein bisschen und gerade Draches und Heldins Namen hätte man vielleicht (früher) erklären können. Schön sind übrigens dafür die Illustrationen im Buch, die ans Cover angelehnt sind und die Heldengruppe zeigen.

Insgesamt ist der Auftakt der neuen Abenteuerreihe durchaus gelungen und vor allem sehr handlungsreich, wodurch man durchaus mitgerissen wird. Gut finde ich, dass hier auf viele Klischees, die man erwarten würde, verzichtet wurde. Leider war zwar ziemlich offensichtlich, wer der Verräter ist, aber ich kam zwischendurch auch mal ins Zweifeln. Dies ist zwar ein ungewöhnlicher Setting-Mix, aber vielversprechend.

Fazit: 
„Paladero – Die Reiter des Donners“ handelt von einer sympathischen, potenziellen Heldengruppe, die an einem Strang ziehen muss, um ihren Träumen ein Stück näher zu kommen. Die Handlung hält dabei viel Action und ein originelles Setting bereit.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 4/5
Lesespaß: 4/5
Schreibstil: 4/5

Gesamt:

Sonntag, 3. September 2017

[Rezension] Der kleine Hobbit von J.R.R. Tolkien

Titel: Der kleine Hobbit
Autor: J.R.R. Tolkien
Genre: High Fantasy, Kinderbuch
Erscheinungsdatum: 01.07.2012
Seiten: 336
Verlag: dtv
Format: Taschenbuch
ISBN-13: 978-3-423-21393-6
Originalpreis: 9,95€

Klappentext: 
Vorbei ist es mit dem beschaulichen Leben von Bilbo Beutlin, seit er sich auf ein Abenteuer eingelassen hat, das Hobbitvorstellungen bei Weitem übersteigt. Er will den Zwergen bei der Rückgewinnung ihres geraubten Schatzes helfen und begibt sich auf eine lange Reise, die ihn quer durch Mittelerde führt. 

›Der kleine Hobbit‹ erzählt die spannende Vorgeschichte zum ›Herrn der Ringe‹: Auf seiner abenteuerlichen Reise gelangt Bilbo in den Besitz des Ringes, den er später an seinen Neffen Frodo weitergibt – die Grundlage für die legendäre Trilogie um den »Einen Ring«. 

Meinung:
Es ist eine Krux. J.R.R. Tolkien zählt zu den Autoren, die man mit Sicherheit gelesen haben sollte – nach Meinung vieler. Lesen, um mitreden zu können. Wobei sich die Frage stellt – warum lesen, wenn es jetzt die Filme gibt? Gut, das wird man von den wenigsten Bibliophilen zu hören bekommen. Ich selbst habe es schon als Kind mit dem werten Herrn Tolkien versucht, aber nur kurz. Und während es damals noch „Der Herr der Ringe“ war, habe ich mich nun zuerst an seinen kleinen Bruder, „Der kleine Hobbit“ oder auch „Der Hobbit“, herangewagt.

Das Leseerlebnis war durchaus überraschend – auf verschiedene Arten. Heutzutage würde diese Geschichte als Kinderbuch bestimmt nicht mehr gut ankommen, auch wenn es stilistisch oft passt. Dennoch kann man dieses Buch nicht unbedingt als brutal bezeichnen. Die Handlung verfolgt die übliche Heldenreise, die der nicht mehr ganz so junge Hobbit Bilbo gemeinsam mit dreizehn Zwergen und einem Zauberer antritt. Für die damalige Zeit war das Buch vermutlich sehr originell und fantasiereich. Tolkien besticht mit einer geradlinigen, durchaus ab und an überraschenden Geschichte. Dennoch hat diese Geschichte auch ihre Macken und eine bringt Bilbo selbst sogar auf den Punkt: Bis auf ihn selbst und Gandalf rührt keiner in der Reisegruppe auch nur einen Finger. Die Zwerge mit der höchsten Motivation diese Reise zum Erfolg zu bringen, ruhen sich auf den beiden komplett aus. Da Bilbo im Grunde der Protagonist der Geschichte ist, ist das nicht zwingend etwas Schlimmes, aber wirkt trotzdem unglaubwürdig. Spannung kann leider nur minimal aufkommen, da Tolkien die Geschehnisse immer wieder vorwegnimmt. Auch treten manche Charaktere erst auf, wenn sie gebraucht werden, was einen gewissen „Deus ex machina“-Effekt erzeugt.

Wenn man ehrlich sein will, ist keiner der Charaktere so richtig sympathisch. Bilbo ist allerdings eine gute Identifikationsfigur, da der Leser sich wie er nicht so richtig auskennt. Er ist auch eigentlich die tiefgründigste Figur, was natürlich Sinn macht. Auch macht er im Buch als einziger eine echte Entwicklung durch. Die Zwerge wiederum sind ziemlich blass und werden nur sehr geringfügig charakterisiert. Der einzige, der halbwegs sympathisch rüberkommt, ist Balin, weil er etwas Loyalität zeigt.

Tolkiens Stil ist wirklich mal etwas anderes und sehr gewöhnungsbedürftig. Darauf muss man sich wirklich einlassen. Er schreibt sehr bildreich und der Stil erinnert einen ganz grob an Erzählungen für Kinder. Außergewöhnlich ist seine Art, auf Ereignisse anzusprechen, die noch in der Zukunft liegen. Auch kommentiert er die Geschichte sehr gerne auf verschiedenste Arten. Sehr häufig wird auch gesungen. Gemeinsam mit der Handlung gestaltete der Stil das Leseerlebnis etwas zäh.

Insgesamt bin ich tatsächlich etwas enttäuscht vom Buch, aber das wäre vermutlich anders, wenn ich die Filme nicht vorhergesehen hätte, die deutlich mehr dazu erfundenen Inhalt haben und Bilbo auch ein bisschen mehr zum aktiven Helden machen. So konnte ich nur immer wieder den Kopf darüber schütteln, warum Gandalf und Bilbo sich das Verhalten der Zwerge gefallen lassen. Überzeugen konnte mich die Geschichte leider kaum, aber trotz allem ist sie durchaus eine unterhaltende Geschichte, bei der vor allem der Schreibstil hervorsticht.

Fazit: 
„Der kleine Hobbit“ besitzt eine interessante Hintergrundgeschichte, die allerdings kindergerecht nur in Maßen serviert wird. Leider leiden darunter auch die Charaktere, die größtenteils skizzenhaft bleiben und nicht einmal wirklich stereotyp. Wer dieses Buch lesen möchte, sollte im Kopf behalten, dass es nun einmal ein Kinderbuch ist und es daher an Komplexität mangelt.

Inhalt: 3/5
Charaktere: 2/5
Lesespaß: 3/5
Schreibstil: 3/5

Gesamt: